Suevit-Gestein

"Spuren im Stein - das Nördlinger Ries"

Sendung des SWR - zum Verständnis "Region Nördlinger Ries"!

.... und ist doch nur ein kleiner Teil der Attraktionen der Region!

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Aufgelassener Suevitsteinbruch in Oberringingen

Fotos: W.-D. Kavasch (Riekratermuseum)

Suevit, der Name wurde (nach lateinisch >>Schwaben<<) im Ries geprägt. Das Material besteht aus einer tuffartigen Grundmasse, in der fast ausschließlich Kristallin- und nur untergeordnet Sedimentgesteine als Brekzien-Einschlüsse anzutreffen sind. Eine Besonderheit sind die Flädle, die bis kopfgroßen, oft fladenförmigen Glasgebilde. Sie sind aus geschmolzenem Grundgebirge hervorgegangen. Wir finden den Suevit in unregelmäßigen Anhäufungen kranzförmig im Vorland des Kraters. Aufschlüsse sind häufig, weil er früher als Baustein abgebaut wurde (die Kirche Sankt Georg in Nördlingen ist das bekannteste Beispiel), heute als Zement-Zuschlagstoff genutzt wird. Die Abbauwände in Otting zeigen eindrucksvoll Entgasungserscheinungen und Absonderungsformen.

Der kleine aufgelassene Steinbruch bei Oberringingen

ist wegen der schönen säuligen Absonderung beachtenswert. Oft aufgesuchte Suevit-Lokalitäten sind Polsingen (Geologischer Lehrpfad), Aumühle, Zipplingen, Altenbürg, Amerdingen. Früher wurde der Suevit meistens als vulkanischer Tuff verstanden, bis Anfang der sechziger Jahre zwei amerikanische Erdwissenschaftler die Minerale Coesit und Stishovit fanden. Diese Hochdruckmotifikationen des Quarzes setzen zu ihrer Entstehung Drucke von 300 bzw. 120 Kilobar voraus. Das sind Werte, die nach heutgem Kenntnisstand nur bei Einschlägen extraterrestischer Körper oder in Kernexplosionen erreicht werden. Andere impacttypische Erscheinungen sind ebenfalls nur im Gesteinsdünnschliff sichtbaren geschockten Minerale und bestimmte Gesteinsgläser. Diese Effekte werden von Mineralogen unter dem Begriff Stoßwellenmetamorphose untersucht.

Naturgemäß präsentiert sich der Rieskrater nicht mehr in der ursprünglichen Form. Rückfallende Auswurfmassen sowie Ausgleichsbewegungen in den betroffenen Gesteinen haben den primären Krater weitgehend verändert. Das Riesereignis hinterlässt eine etwa 300 - 400 Meter tiefe flache Schüssel, umrandet vom Kraterwall. Sie dient als (abflussloses) Sammelbecken. Es entsteht der Riessee (fünfmal größer als der Chiemsee; er wäre der drittgrößte See Europas). Sein Wasser ist zeitweise brakkisch. Nun kommt es zur Ablagerung von mächtigen Seesedimenten. Sie bestehen im wesentlichen aus mergeligen Tonen und Stinkmergeln. Es wurden ölschieferartige bituminöse Substanzen festgestellt. Die arten- und individuenarme limnische Molluskenfauna, die Ostracoden, Landschnecken, Fische, Säugetiere, die Algen, Pollen und die Großpflanzenreste geben nicht nur Hinweise auf das besondere Milieu, sondern in den Leitfossilien auch auf das geologische Alter der Füllung. Die Sedimente sind im Obermiozän entstanden.

 

 

Quelle: Bayerns Erdgeschichte, der geologische Führer durch Bayern

Erwin Rutte Ehrenwirt

 


Als Baustein fand Kesseltaler Trass bereits im Spätmittelalter Verwendung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde kaum noch Trass abgebaut. Dies änderte sich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, als beispielsweise die Festung Ulm, aber auch Gebäude in Augsburg und sogar das Münchner Verkehrsministerium aus Kesseltaler Trassgestein errichtet wurden. Allein die drei Steinbrüche Altenbürg, Aufhausen und Amerdingen der Firma "Deutsche Steinwerke Vetter" umfassten eine Fläche von mehr als zehn Hektar mit einem nutzbaren Felsvorrat von rund zwei Millionen Kubikmetern. Beschäftigt waren in den drei Brüchen bis zu 120 Arbeiter. So verwundert es nicht, dass in diesen Jahren in den Städten rund um das Kesseltal die Idee aufkam, eine Eisenbahnlinie dorthin zu bauen. Die Teilhabe an der Ausbeutung der Trasslagerstätten konnte schließlich der wirtschaftlichen Prosperität jeder Nachbarstadt nur förderlich sein.

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...mehr darüber in:..der Kesseltaler Trass
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...mehr darüber finden Sie auch in: Eine Eisenbahn durch das Kesseltal >>> weiter

 

Vor 100 Jahren gab es verschiedene Pläne - Trass-Gestein aus dem oberen Kesseltal sollte abtransportiert werden

Von Helmut Herreiner


Volks- und landeskundliche Beschreibungen aus dem Landkreis Dillingen

Die Physikatsberichte der Landgerichte Bissingen, Lauingen, Dillingen und Wertingen (1858-1861)

Georg Simnacher zum 70. Geburtstag

Bearbeitet von Gerhard Willi

Wißner - Verlag Augsburg

 

(Ausschnitt)

...Gebirgsbildung

 

Das Gebirge im Kesselthal ist die Fortsetzung oder der südöstliche Ausläufer der rauhen Alb. Diese nimmt aber bekanntlich ihren Ursprung am eigentlichen Juragebirge und trägt diese Beschaffenheit auch mit herüber. Wir haben daher auch in unserem Gebiete diese Gebirgsart nämlich den weißen Jura. Wo eine andere Gebirgsart zu Tage tritt, ist dies eben nur ausnahmsweise der Fall. Selbst bis zu den tiefsten Stellen im Districkte tritt unseres Wissens der braune oder schwarze Jura - Lias - noch nicht zu Tage und wir haben daher nirgends eigentlichen Sand. Dagegen zeigt sich im Westen und Osten des Bezirkes eine - dieser Gegend fast eigenthümliche geognostische Erscheinung. Es hat an mehreren Stellen Bassalttuff - Traß - den Jura und seine Unterlagen durchbrochen und sind mehrere davon wie in Amerdingen, Thalheim, Mauren, zu Einbruchlagern aufgeschlossen, deren Produkte wegen ihrer Feuerbeständigkeit weithin, und auf der Donau sogar bis ins Österreichische verführt werden. Auch wird der sogenannte Traß - Cement vielfältig daraus bereitet und ist bei dem Baue der Festung Ingolstadt, wie bei dem Baue der Eisenbahnbrücken häufig verwendet worden. Dieser Bassalttuff ist von grünlich grauer bis dunkelgrauer Farbe und enthält Baßaltsäulen, Granit, Kalktrümmer und Sand, nur sehr wenig Eisenglanz.